Irgendwo in diesem Universum (denn es ist zwar in sich geschlossen aber dennoch unendlich) muss es einem Platz geben, an dem sämtliche ausgedienten Witze und blöden Sprüche ihre letzte Ruhestätte finden – den Friedhof der Krabbelwitze. Natürlich hat es mit diesem Endlager der Gags die seltsame Bewandtnis, dass die Ruhe meist nicht so endgültig ist, wie es zuerst scheint. Viele totgeglaubte Witze sind Wiedergänger! Doch wenn dereinst das jüngste Gericht tagt, wird ohne Zweifel genau von diesem Ort kollektiv zurück gelacht, gekichert und gegrinst.
Nahe dem von Statuen von Asmussen und Otto flankierten Eingang liegen die pubertären Zoten, deren „Haha-Effekt“ (ein Mass der Witzigkeit – d. Red.) nur durch die Erwähnung bestimmter Körperteile und/oder mehr oder minder detailierten Beschreibungen diversester Körperfunktionen festgelegt wird. Allerdings liegen sie nicht deshalb gleich hinter dem Tor, sondern weil sie in geselligen Runden und nicht zuletzt beim Karneval immer wieder gern hervorgekramt werden.
Dahinter kommen auch schon die Krabbelwitze, deren Nachrufe sich permanent in den verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen auf der „lustigsten Seite der Welt“ wiederholen, und die allein sooo lustig gar nicht sind. Daher wurden sie auch zusammen mit den Kalauern betattet.
Ein Grossteil des nun folgenden Platzes ist für Witze, die eigentlich keine sind reserviert. So genannte Idiotenwitze. Nicht, weil es davon so viele gibt, – na ja, das auch – sondern da sie mit allem möglichen Equipment und benötigtem Zubehör (strickende Nilpferde, nicht grüssende Schraubendreher etc.) beerdigt wurden.
Den Haupteil des Friedhofes nehmen allerdings tote und zum Teil auch schwer verletzte, schlecht oder falsch erzählte Jokes ein. Grausam dahingemeuchelt von niederer Erzählkunst und alkoholschwangeren Verwirrungen. Davon gibt es Unmengen und die meisten von ihnen werden wohl für immer hier bleiben. Ihnen zu Ehren wurde ein Denkmal errichtet – das Grabmal des Unbekannten Witzes.
Etwas weiter hinten, ganz unter sich schlafen die Kinderwitze. Harmlose kleine symphatische Gesellen, die aber leider nur lustig sind, solang man den Kindergarten besucht und die später einfach vergessen werden.
Und in einer Nische, versteckt zwischen unfreiwilligen Versprechern und Grimassen steht der Eingang zu einer Gruft. Auf den ersten Blick sehr schlicht, erkennt man beim näheren Hinsehen kunstvolle Verzierungen durch den Efeu lugen. In ihr ruht eine wahnsinnig intelligente und äusserst gute Pointe, an die sich leider niemand mehr erinnern kann.
Ich behalte sie auch für mich und mach jetzt Feierabend.

