Weblog-Archiv für 8. Februar 2006

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Im Ohr

8. Februar 2006

Terence Trent D’Arby – „wishing well“

Für die Älteren unter uns ein kleiner Möchtegern-Prince-Clone und für die Jüngeren – wenn überhaupt – ein zartes blondiertes androgynes Wesen mit (ich gebe es zu) doller Stimme. Leider ist man versucht, den instrumentalen Refrain mitzupfeifen. Den ganzen Tag…

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Wor(l)dcast: Im Ohr

8. Februar 2006

Es ist an der Zeit, eine weitere Rubrik in den Wor(l)dcast einzuführen: Im Ohr.

Jeder kann seine derzeitigen Lieblingssongs veröffentlichen, aber wer ist manns oder auch fraus genug, sich mit den heimlichen akkustischen Invasoren unseres Alltags auseinander zu setzen – den Ohrwürmern? Diese zwischen Dusche und Toast im Vorübergehen aufgeschnappten Tonfolgen, die sich gnadenlos und ohne unser Zutun für längere Zeit im Wurzelwerk der Synapsen festbeissen, um uns von dort zu quälen, sind meist meilenweit von unseren bevorzugten Liedgut entfernt. Nicht desto trotz begleiten uns viele von ihnen den ganzen Tag, ohne dass eine ernsthafte Chance der Gegenwehr vorhanden wäre.

Unter dem Motto „Im Ohr“ werden in Zukunft diese tonalen Entgleisungen registriert und katalogisiert. Damit alles seine Ordnung hat, werden sie von den Autoren u. U. auf das betreffenden Datum zurück datiert. Scrollen könnte sich also lohnen. (Und wer nichts findet, konsumiert derweil die anderen Posts)

Wir möchten noch einmal ausdrücklich darauf hinweisen, dass die erwähnten Interpreten samt ihrer musikalischen Auswürfe nicht in allen Fällen den tatsächlichen Musikgeschmack des Autors wiederspiegeln. Des weiteren übernimmt der Wor(l)dcast keine Garantie, wenn sich beim Lesen von „Im Ohr“ weitere Ohrwürmer epidemisch verbreiten. Konsum auf eigene Gefahr. Danke für das Verständnis.

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Stöckchen

8. Februar 2006

Da möchte man mal dem Chaos des alltäglichen Wahnsinns entfliehen, rafft sich auf und bezwingt den inneren Schweinehund um mal wieder ein wenig frische Luft zu schnuppern, macht sich auf den Weg in den nahe gelegenen Wald oder die angrenzenden Felder und beginnt sich ein wenig zu lösen und wohlzufühlen. Leise vor sich hin singend schreitet man, freudig über die schöne frische Luft, vergnügt den Weg entlang und denkt an nichts böses. Doch dann geschieht es. Ein Exemplar der Spezies „Jogger“ rempelt einen frontal an, reißt einen aus der wohligen Gedankenfrei-heit heraus, und läuft, ohne einen auch nur eines entschuldigen Blickes zu würdigen, weiter. Noch nicht ganz wissend, was genau denn hier jetzt überhaupt passiert ist, dreht man sich um und schaut einem prustenden Menschen hinterher, der hinter sich einen Regen aus Schweißperlchen in die Atomsphäre versprüht.

Nachdem man den Blick dann wieder nach vorn gerichtet hat, fallen sie einem ins Auge. Der eine war nur der Anfang, soweit das Auge reicht (und der Weg führt), sieht man mehr und mehr Exemplare dieser Spezies. Ob nun alleine, oder gar im Rudel, die geröteten Gesichter, welche teils verzweifelt, teils kämpferisch dreinblicken, verraten dir sofort dass sie nicht nur einfache Spaziergänger sind. Da ist es egal, ob sie im Gegentakt zu der Musik welche aus dem extra angelegten mp3-Player (nicht nur) in ihre Ohren dröhnt, den Weg entlang stampfen, sich von ihren Hunden ziehen lassen, oder selbige hinter sich her zerren, oder ob sie sich, wenn im Rudel unterwegs, versuchend schnaufend und atemlos zu unterhalten.
Man weiß nur: man muss hier schleunigst weg, sonst wird es gefährlich.

Ich drehte mich also um, und machte mich auf den Weg gen Heimat.

Doch sofort kam mir, zu dieser Gelegenheit, eine Situation in den Sinn, in der ich, von meiner Mutter mitgeschliffen, die Radsportler der Tour de France beobachten durfte, wie sie sich abstrampelten um schneller wie alle anderen einen Berg runter zu kommen. Ich fühlte in dem Moment den unbändigen Wunsch in mir aufkeimen, einem der Fahrer ein Stöckchen zwischen die Speichen zu schmeißen, um den Qualen, welche man in den schnell vorbeirauschenden Gesichtern vernehmen konnte, Abhilfe zu schaffen.. ich übertrug zwangsläufig diese Vorstellung auf einen gewissen Herren, der mich vor gar nicht all zu langer zeit anrempelte, hörte dann jedoch den Wind in den Blättern rauschen und ein Vögelchen zwitschern und war augenblicklich wieder eins mit der Natur und mit Frieden erfüllt.

Obgleich die Gedanken betreffend dieser Jogger-Situation nach einem Sekundenbruchteil mein Hirn wieder verlassen hatten, merkte ich plötzlich, wie unmittelbar vor mir ein Herr mittleren Alters ins Trudeln kam, das Gleichgewicht verlor, und dann scheinbar seine Kontaktlinsen auf dem Boden suchte.
Als ich bei ihm ankam band er sich gerade wieder den Schnürsenkel, welcher wohl der Grund für seine ungewollte Akrobatikeinlage war, zu. Ich lächelte ihm zu, grüßte ihn, wünschte ihm noch einen schönen Tag und ging, erst leicht irritiert dann jedoch leicht lächelnd weiter.

Hätte der Gute sich anfangs für sein Anrempeln entschuldigt wärs vielleicht nicht so weit gekommen.