
Da überlegt man sich wirklich mehrfach, ob man sich nun ein neues Paar Schuhe leisten soll oder nicht. Nein, von den Preisen möcht ich jetzt gar nicht sprechen, sondern eher von den eifernden Hausfrauen und Teenies, die sich umbedingt das 50 Paar Schuhe anschaffen müssen, damit der Schuhschrank auch gut sortiert ist.
Ich mein, okay, wenn sie nur reingehen würden, sich n Paar greifen würden, es anprobieren und dann kaufen, wäre es ja vollkommen in Ordnung. Aber so ein Bohei darum zu machen, scheint irgendwie eine weiblich geartete Volkskrankheit geworden zu sein.
Entweder ist das Angebot der zu erhaltenden Fußbekledung einfach zu hoch oder zu Abwechselungsreich (was ich eigentlich nicht bestätigen kann, wenn ich den Werbeprospekten im Sonntagsblättchen glauben schenken darf).
Wie kommt es also dann bitte, dass es der holden Weiblichkeit scheinbar unmöglich ist, sich in einem Schuhgeschäft zu entscheiden? Man muss wirklich nur mal, just for fun, einen Blick in das chaotische Treiben eines Schuhwerkfachhandels werfen.
Dame Nummer eins steht vor dem Regal mit den Alt-Oma-Tretern, hält in jeder Hand einen braunen Schürlederschuh von angeblich verschiedenen Paaren, wobei man das weder auf den ersten Blick, noch auf den 20. erkennen kann. Sie wiegt die einzelnen Schuhe probend in den Händen (und ich dachte echt, die wären für die Füße gedacht) und wirft ihrem, bereits verzweifelten und scheinbar suizidgefährdeten Begleiter fragende Blicke zu.
„Du, Harald? Welches Paar passt denn jetzt besser zu meiner braunen Hose? Das mit den 0,5 oder mit dem 1 cm Absatz?“
Bevor ich verfolgen muss, wie der arme Kerl, der mein vollstes Mitgefühl hat, einen Mordanschlag auf sein holdes Eheweib ausübt, lass ich meinen Blick weiterschweifen. Zum Glück hab ich wenigstens noch erfahren dürfen, wo denn nun genau der Unterschied der beiden Schuhe liegt. Nuuuuungut.
Mein Blick fällt auf ein Mädchen um die 15, welche mit ihrer Freundin zusammen die Regale des Ladens ausräumt. Während ihre Freundin ein Paar nach dem anderen anschleppt, hüpft die vermeidliche Käuferin auf einem Schuh in der Gegend rum, um das neue, in den Blick gefallene Objekt der Begierde weggrabschen zu können, bevor die Mutter, die gerade sich und ihre 3 Kinder auseinanderknotet, auch nur in die Nähe kommen und ihr zuvorkommen _könnte_.
Ich wandere durch die Regale, und merke sofort anhand meines wohlgeübten Riechorganes, welche Schuhe besonders beliebt sind, und schon mindestens 30 verschiedene Füße zum testen wenigstens kurzfristig bekleiden durften.
Nachdem mir der Duft die Sinne geraubt hat, und ich feststelle, dass es zwingend von Nöten ist eine Priese frische Luft zu schnappen, kämpfe ich mich durch die Meute der kaufwilligen hindurch, und frage mich, ob es vielleicht doch etwas umsonst geben könnte. Aber noch nichtmal das ist der Fall, wie mir der entspannte Verkäufer, welcher scheinbar spaß dabei hat zu beobachten, wie sich Frauen gegenseitig die Augen auskratzen, während er geschützt durch den Thresen hinter der Kasse steht, bestätigte.
Fluchtartig verlasse ich das Geschehen, nur um, draußen angekommen, feststellen zu müssen, dass es sich nicht um das einzige Schuhgeschäft innerhalb eines Umkreises von 100 km handelt, wie ich anhand des Andranges vermutete, sondern… Gott bewahre…dass es nur eines von vielen auf dieser Straße ist.
Ich seh mich nächsten Sommer wieder barfuß in der Gegend rumstapfen. Aber wenigstens hab ich durch den nicht getätigten Schuhkauf wenigstens das Geld für den eventuell dann erforderlichen Arztbesuch.
