Archiv für März 2006

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One step forward…

30. März 2006

Immer, wenn man denkt, dass Ende der Fahnenstange sei erreicht, kommt irgendwoher etwas Neues daher. Das gilt für den privaten Bereich ebenso wie für die kulturhistorische Entwicklung der menschlichen Spezies. Was eben noch als Innovation des Jahres bestaunt wurde, ist schon längst wieder kalter Kaffee. Apropos… Sekunde – Danke.

Warum habe ich bei all dieser Fülle umgesetzter Ideen trotzdem das Gefühl, dass es seit der Umbenennung von Raiders in Twix nicht mehr merklich vorwärts geht? Unabhängig von Rentendebatte, den weltmeisterlichen Chancen unseres Fussballs und immer engere Kreise ziehenden Retro-Charts offenbart vielleicht eher ein Blick auf erfindungsreiche heimische Details näheres.

Deutschland geht am Stock, bzw. an Stöcken. Früh zieht sie immer noch gemächlich dahin, die Karawane der Tapferen – die Hausfrauen die sich mit einem guten Gefühl an ihr Rentnerdasein gewöhnen sollen. Interessant ist, dass nach etwa 20 Metern die nervenden Stöcke nurmehr unter die Arme geklemmt oder hinter sich her gezogen werden. Aber auch dies stärkt die Armmuskulatur. Wie dem auch sei: Nach den undurchsichtigen und dadurch äusserst durchdacht wirkenden Trimm-Dich-Geräten der Teleshops eine der genialsten Erfindungen seit Jahren auf dem Fitnessmarkt. Wenn auch nur unter marketingtechnischen Gesichtspunkten. Holt euch das Stöckchen!

Für alle, die sich dafür noch für zu hipp halten, gibt es Springseile mit automatischem Zählwerk. Daran erkennt man, wie schnell der Markt im Enstfall reagieren kann: Alle, die glauben, dass M. Ali’s Figur hauptsächlich auf Seilhüpfen zurückzuführen ist, steuern mit diesem Gerät aus dem Blindflug. Da in diesem Hochleistungssport bis dato die Hände gebunden sind und somit keinerlei Finger als Zählhilfe zur Verfügung stehen (die eh nur recht kleine Trainingseinheiten zulassen würden) können jetzt Kalorienverbrauch und Muskelzuwachs endlich auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt werden.

Und wer von alledem die Nase gestrichen voll hat, kann sich immer noch für 50 Euro eine Nasendusche holen.

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Im Ohr

29. März 2006

Beyonce Giselle Knowles – „check on it“

Der ewig lange ohne Punkt und Komma durchgelallte Refrain bleibt mir derzeit leider im Kopf kleben und ich hätte nie gedacht dass Soul/RnB so lieblos klingen kann aber was soll man machen wenn Musik für die einen eine Passion und für andere nur eine Hochglanz-Style-Angelegenheit mit guter Verdienstmöglichkeit ist und deshalb schalte ich jetzt ab…

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Spontan eingeübt

28. März 2006

Man kennt das: In einer Situation in der man sich zu Unrecht auf den Schlips oder das entsprechend weibliche Pendent getreten fühlt, hätte man sie gern parat – die passende, elegante, scharfe, hintergründige und obendrein noch witzige Bemerkung. Doch alles was man in der Lage zu Stande zu bringen ist, beschränkt sich auf ein „Ach ja!?“, welches sich immerhin noch einmal durch ein vorwurfsvolleres „Ach ja!!??“ steigern lässt und damit die Niederlage zementiert. Meist hält man sowieso ganz den Mund.

Der dauerhaft hinterlassene Eindruck beim Gegenüber, welches man so gern zum Nachdenken anregen oder gar in Verlegenheit bringen mochte, ist bestenfalls flüchtig. Der erhoffte Beifall der Umgebung bleibt aus. Selbst ein „Immer 2x mehr wie du!“ hätte noch einen halben Trostpunkt gutgeschrieben. Statt dessen grübelt man die halbe Nacht vor sich hin und spielt die Situation vor dem imaginären Spiegel immer wieder durch: „In Ihrer Jugend hätte es das nicht gegeben? Dass Sie sich daran noch erinnern können hätte ich nicht erwartet“ – zu lang | „Geh doch wo du wohnst…“ – zu prollig | „Sie wirken hässlich, wenn ich mich aufrege“ – viel zu intellel | „Noch soviel Stress in Ihren letzten Stunden?“ – zu direkt…

Man kommt vorerst zu dem schnellen Schluss, dass die lockeren Sprücheklopfer des TV wie Die Zwei oder ein Terence Hill ihre Wortgewandtheit lediglich durch ein immens gut durchtrainiertes Autorenteam aufrecht erhalten, während sich die Herren wahrscheinlich privat kaum stotterfrei einen Teller Suppe bestellen können. Da wirkt unsere spontane, wenn auch etwas hölzerne, unbeholfene Art viel natürlicher. Und die Coolness lässt sich durch spontan eingeübte Standartsprüche für alle Anlässe sicher noch steigern.

Ebenso wichtig ist dabei natürlich, dass man die zu erzielende Wirkung nicht verwischt, indem man sich in seiner Körpersprache verplappert. Und da man sowieso gerade mal eben die Toilette frequentieren wollte, testet man die neu gewonnenen Erkenntnisse mal eben vor dem ganz realen Badezimmerspiegel und erklärt dem Kühlschrank mit gewichtiger Miene: „Jetzt aber Licht aus – es ist schon halb 4″ und entgegnet dem Bett auf sein Knarren, dass man seinen Standpunkt sehr wohl versteht, aber dennoch gern noch einmal darüber schlafen möchte.

Fazit der Aktion ist zum einen, dass das eigenen Selbstbewusstsein permanent irgendwo zwischen pensioniertem VW-Vorstandsmitglied und einem ausgesetzten Chihuahua hin und her pendelt. Zum anderen, dass man – zwar etwas besser gewappnet – ein lockeres Stündchen zu spät auf Arbeit erscheint, wo der Chef schon sehnsüchtig wartet:

„Sie sollten sich ins Gedächtnis rufen, dass unsere Arbeitszeiten auch für Sie gelten!“ – [dümmliches Grinsen] „Ach ja!?“