Archiv für die Kategorie ‘abstraktes’

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Bei Wind und Wetter

19. Februar 2007

Wetter ist etwas grossartiges. Jetzt mal ganz davon abgesehen, dass man beim richtigen Wetter Snowboarden oder Surfen gehen kann. Und auch davon, dass es uns die Möglichkeit eröffnet, die unterschiedlichsten kleidsamen Ensembles stolz der Öffentlichkeit zu präsentieren oder einfach nur dabei behilflich ist, das ganze Jahr grob in irgendwelche Jahreszeiten einzuteilen, damit wir wissen, wann bald wieder Weihnachten ist. Nein, Wetter hat eine ausgesprochen wichtige soziale Funktion!

Wann immer Völker auf der ganzen Welt verlegen sind oder einfach nicht wissen, was sie sagen sollen (im Falle von Autoren auch “schreiben sollen”) - ein Thema wird man nie müde zu behandeln: Wetter.

Nun ist es nicht etwa so, dass gewissermassen nur über den derzeitigen Zustand des Wetters parliert werden kann. Das ist zwar ein funktionierender Ansatz, aber dafür reicht es auch, die eigene Nase häufiger mal aus dem Fenster zu halten, statt andere zu langweilen. Meist wird daher erweiternd festgestellt, dass das Wetter bei weitem nicht so ist, wie es sein sollte. Es könnte nämlich kälter sein. Oder es könnte natürlich auch wärmer sein - je nachdem, ob es schon kalt oder warm ist. Das gleiche Spielchen funktioniert mit trockener respektive feuchter. Das hat weniger was mit eigenen Vorlieben zu tun, sondern daran, dass man ja auch mal an die Landwirtschaft  | die Kinder die Ferien haben | Berufspiloten | (weiterer Platz für wetterabhängige Gesellschaftsgruppen) denken muss.

Während darüber jedoch noch regelmässig ein Konsens erzielt wird, sieht es - ich sag mal einfach eine Stufe höher - bei den Jahreszeiten schon anders aus. Menschen sollen Lieblingsjahreszeiten haben. Vor allem Sommer und Winter haben, verbunden mit ihren meteorologischen Auswüchsen, eine jeweilige Anhängerschaft, die sich von den anderen energisch distanziert. Ganz gesichert ist dieses Wissen jedoch nicht, denn ich habe noch nie erlebt, dass der Satz “Ich wünschte es wäre schon wieder Winter und ich könnte Schlittenfahren”, der, während man beiläufig mit dem spitzen Ende des bunten Schirmchens kleine Obststücke aus dem Cocktail pickt und unauffällig in den Pool gleiten lässt, in Richtung einer blonden Schonheit im knappen Bikini gehaucht wird, mit einem “Stimmt!” quittiert wurde. Es scheint also auch da mehr ums Prinzip zu gehen.

Kann man darüber auch so zwiegespaltener Meinung sein, wie man möchte. Eines eint die Nation wieder: Ganz sicher ist das Wetter nicht so, wie es der Wetterbericht angekündigt hat. Und sei es am Vormittag nur ein zehntel Grad. Ausserdem kann man vieles so schön auf das Wetter abwälzen: Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Halsschmerzen, Grippe, Müdigkeit und Unlust, mit dem Hund Gassi zu gehen…generelle Unlust. Aber darüber mehr, sobald sich klimatische und rheumatische Änderungen signifikant bei mir decken.

Auf jeden Fall verbindet das Thema Wetter. Also empfehle ich, bei strömenden Regen eine Hausnische aufzusuchen, in welche sich auch oben erwähnte Blondine geflüchtet hat. Danach sollte man verschmitzt eine Augenbraue hochziehen und fragen: “Na? Auch nass?” Mal sehen.

Hmm, wenn ich so raussehe, wie alles seit Tagen grau in grau ist, kein Niederschlag, kaum Wind - Schade, dass hier derzeit kein Wetter stattfindet.

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Fragen über Fragen

16. Februar 2007

Fragen sind wichtiger als Antworten. Solange noch Fragen übrig sind, können wir sicher sein, dass das Leben noch ein Stückchen weitergeht. Was bliebe uns denn, wenn alle Fragen beantwortet wären? Die blanke Langeweile! Und das ist noch schlimmer, als 32 Jahre in einer Rettungskapsel im planetennahen Orbit über Tatooine kreisen zu müssen.

So sieht es zumindest ein Teil der Philosophie, dem ich nicht abgeneigt bin. Allerdings mache ich mir nicht die geringsten Sorgen darüber, dass dieser Tag bald gekommen sein wird. Neben allem Neuen gibt es nämlich noch genügend Altlasten, die uns, wenn nicht überfordern, doch zumindest noch eine Weile beschäftigen werden.

Die Mutter aller dieser Fragen ist unschwer zu identifizieren: “Darf ich Ihnen mal eine Frage stellen?” Neben allen - vor allem nonverbalen - bis jetzt getätigten ausweichenden  Antwortmöglichkeiten, bleibt an der für mich einzig richtigen Entgegnung “Nein! Hau ab!” leider immer der schale Beigeschmack eines Paradoxons hängen. Das wird vermutlich auch so bleiben.

Dann gibt es noch Fragen, deren letzte Klärung immer von Unsicherheitsfaktoren torpediert  wird. Wenn diese etwa wissentlich falsch beantwortet werden. Dazu zählt zum Beispiel der männliche Wunsch, das Alter einer Frau in mittleren Jahren erfahren zu wollen. Natürlich weiss jeder Gentlemen, dass laut Knigge derartige Erkundigungen unschicklich sind. Das wird jedoch von vielen Mitgliedern des weiblichen Geschlechtes gleich zum Anlass genommen, aufkommenden Wissbegierden gezielte Desinformation entgegen zu setzen, die unter Umständen sogar in einer Heirat münden können. Im schlimmsten Falle wird man vorher sogar noch zum Raten gezwungen.

Neben anderen Neugieren, die bis jetzt noch nicht restlos befriedigt wurden - etwa ob der Mond tatsächlich aus Weichkäse besteht, welches Zeitsystem für DVB Fahrpläne gilt oder warum ich Marmeladenbrote von der Tischkante schubsen soll um festzustellen, auf welcher Seite sie landen, wo ich doch gar keine Marmelade mag - habe ich mir bei den Nachbarskindern eine Methode abgesehen, die uns dereinst vielleicht mal den metaphysischen Hals retten wird: Sollten wir irgendwann mal an die Grenze unseres natürlichen Fragenkataloges gekommen sein, empfehle ich, an jede beantwortete Frage einfach ein “Warum?” zu hängen. So einfach ist das.

Ich hatte hier übrigens noch irgendwo eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens auf einem PostIt. . . hmm . . . muss ich wohl verlegt haben.

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Freunde fürs Leben

14. Februar 2007

Freundschaften soll man pflegen. So heisst es jedenfalls. Wer allerdings meinen braunen Daumen bei Zimmerpflanzen kennt, muss mich entweder für einen sehr einsamen, unbefreundeten Menschen halten oder zumindest stark an der Theorie zweifeln. Ich behaupte sogar das Gegenteil: Nur eine ungepflegte Freundschaft ist eine wahre Freundschaft.

Erklärung: Da man nicht immer gerade eine auswegslose Situation zur Hand hat (oder haben möchte), welche rücksichtslos die mitläuferische Spreu vom freundschaftlichen Weizen trennt, merkt man meist erst nach drei Jahren personeller Abstinenz, wer in der Lage ist, ohne Diskussion über das “Warum” an dem Punkt anzuknüpfen, an welchem man sich damals aus den Augen verloren hat. Ein wahrer Freund akzeptiert stillschweigend, dass man auch mal etwas anderes zu tun hatte und keine Zeit zum Anrufen fand. Achtung an dieser Stelle: Dies gilt nicht für einseitig abgeschossene One-Night-Stands!

Soweit die hohe Schule. Wenn man - um sicher zu gehen - nicht so lange warten möchte, sollte man sich zumindest eine pflegeleichte Freundschaft zulegen. Diese zeichnet sich dadurch aus, dass weitestgehend darauf verzichtet wird, Freund sein zu wollen. Man ist es einfach und punktum. Das erspart Probleme mit vergessenen Geburtstagen, Entschuldigungen wegen Zuspätkommens und ständige Liebes- und Treuebeteuerungen. Dieses gehört nämlich ausschliesslich in eine Lebenspartnerschaft und sollte eine wahre Freundschaft nicht belasten. Auch die Bewältigung partnerschaftlicher Problem haben in einer pflegeleichten Freundschaft wahrlich nichts zu suchen. Eigene Sorgen erzählen sich am leichtesten irgendeinem Fremden auf der Parkbank.

Und damit sind wir schon bei einer weiteren Art von ungepflegter Freundschaft. Diese sitzen nicht unbedingt nur auf Parkbänken. Bei uns stehen sie vor “Penny” und teilen sich einen Kasten Bier. Das soll hier aber nicht das Thema sein.

Abschliessend muss ich sagen, dass kleine Geschenke allerdings die Freundschaft erhalten - und wir wollen doch Freunde sein, oder? ;)

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Friedhof der Krabbelwitze

7. Februar 2006

foto by gudula

Irgendwo in diesem Universum (denn es ist zwar in sich geschlossen aber dennoch unendlich) muss es einem Platz geben, an dem sämtliche ausgedienten Witze und blöden Sprüche ihre letzte Ruhestätte finden - den Friedhof der Krabbelwitze. Natürlich hat es mit diesem Endlager der Gags die seltsame Bewandtnis, dass die Ruhe meist nicht so endgültig ist, wie es zuerst scheint. Viele totgeglaubte Witze sind Wiedergänger! Doch wenn dereinst das jüngste Gericht tagt, wird ohne Zweifel genau von diesem Ort kollektiv zurück gelacht, gekichert und gegrinst.

Nahe dem von Statuen von Asmussen und Otto flankierten Eingang liegen die pubertären Zoten, deren “Haha-Effekt” (ein Mass der Witzigkeit - d. Red.) nur durch die Erwähnung bestimmter Körperteile und/oder mehr oder minder detailierten Beschreibungen diversester Körperfunktionen festgelegt wird. Allerdings liegen sie nicht deshalb gleich hinter dem Tor, sondern weil sie in geselligen Runden und nicht zuletzt beim Karneval immer wieder gern hervorgekramt werden.

Dahinter kommen auch schon die Krabbelwitze, deren Nachrufe sich permanent in den verschiedenen Tages- und Wochenzeitungen auf der “lustigsten Seite der Welt” wiederholen, und die allein sooo lustig gar nicht sind. Daher wurden sie auch zusammen mit den Kalauern betattet.

Ein Grossteil des nun folgenden Platzes ist für Witze, die eigentlich keine sind reserviert. So genannte Idiotenwitze. Nicht, weil es davon so viele gibt, - na ja, das auch - sondern da sie mit allem möglichen Equipment und benötigtem Zubehör (strickende Nilpferde, nicht grüssende Schraubendreher etc.) beerdigt wurden.

Den Haupteil des Friedhofes nehmen allerdings tote und zum Teil auch schwer verletzte, schlecht oder falsch erzählte Jokes ein. Grausam dahingemeuchelt von niederer Erzählkunst und alkoholschwangeren Verwirrungen. Davon gibt es Unmengen und die meisten von ihnen werden wohl für immer hier bleiben. Ihnen zu Ehren wurde ein Denkmal errichtet - das Grabmal des Unbekannten Witzes.

Etwas weiter hinten, ganz unter sich schlafen die Kinderwitze. Harmlose kleine symphatische Gesellen, die aber leider nur lustig sind, solang man den Kindergarten besucht und die später einfach vergessen werden.

Und in einer Nische, versteckt zwischen unfreiwilligen Versprechern und Grimassen steht der Eingang zu einer Gruft. Auf den ersten Blick sehr schlicht, erkennt man beim näheren Hinsehen kunstvolle Verzierungen durch den Efeu lugen. In ihr ruht eine wahnsinnig intelligente und äusserst gute Pointe, an die sich leider niemand mehr erinnern kann.

Ich behalte sie auch für mich und mach jetzt Feierabend.

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Alien TV

12. Oktober 2005

Ich mache mir Sorgen, ernsthafte Sorgen. Nicht über so banale Dinge wie das Ozonloch oder den Weltfrieden. Durch so etwas lässt man sich als braver Erdenbürger doch nicht in seiner Lebensqualität einschränken. Nein, was mir wirklich zu schaffen macht, ist, dass Ausserirdischen statt einer dafür bestimmten NASA-Sonde ein Teil unseres Fernsehprogramms in die Tentakel fallen könnte. Unkommentiert natürlich.

Das sorgt mich nicht nur, es wäre mir sogar etwas peinlich. So wie es einem peinlich ist, wenn in “Nur die Liebe zählt” jemand seiner Angebeteten ein selbst gesungenes Ständchen bringt (für mich immer ein guter Grund für sie, abzulehnen). Oder wenn Stefan Raab Ossis imitiert - in schlechtem sächsisch. (”Nur die Liebe zählt” kenne ich übrigens ausschliesslich von “TV Total“.) Wenn im neuesten Hollywood-Streifen der Böse immer noch mit russischem Akzent spricht und im neuesten Bollywood-Streifen immer noch anstandshalber vor dem Kuss ausgeblendet wird. Wenn in Talkshows zahnlose Menschen mit zahnlosen Argumenten sich verbal dennoch ineinander verbeissen. Man hat nichts damit zu schaffen und trotzdem schämt man sich ein wenig für diejenigen, die es verbrochen haben.

Nun muss man sich vorstellen, dass die geballte Macht der laufenden Bilder ungebremst auf die licht- und lautempfindlichen Rezeptoren so eines armen ungeschützten Aliens trifft. Wir sind es gewohnt und dagegen abgestumpft. Aber was soll so ein kleines grünes Wesen aus den erhaltenen Informationen lernen? Wie eine erfolgreiche Invasion planen? Chaos und Wahnsinn breiten sich aus. Verzweiflung folgt. Am Ende steht vielleicht sogar die Auslöschung einer ganzen Zivilisation!

Man wäre mir das peinlich…