Archiv für die Kategorie ‘kulturelles’

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Käsefahrt

6. März 2007

Und da waren sie wieder. Nein, nicht meine drei Probleme. Die sind ja permanent. Ich meine diese unvermittelt aus einer belanglosen Nebenstrasse schiessenden Reisebusse, die Scharen älterer Mann- und Frauschaften durch aller Herren Länder katapultieren, um ihnen dort skurile Konsumgüter schmackhaft zu machen, die sie im Laden um die Ecke nicht mal mit einem Hühnerauge ansehen, gleichwohl dort aber viel kostengünstiger erhalten würden. Aber das sollen sie ruhig auch machen. Schliesslich - so sagt es die Legende - bekommt man auch noch einen handlichen Flüssigkeitsbehälter koffeinhaltiges Heissgetränk umsonst.

Eingedenk dessen und in froher Erwartung der Dinge, die mich im Laufe des Tages noch so beschäftigen sollten, marschierte ich an einem gesprühten Schriftzug vorüber, dessen Inhalt mir unmissverständlich vermittelte: “Kauft um euer Leben!”. Sehr passend, denn man hat ja auch schon von Reisebussen gehört, die in tiefster österreichischer Pampa ihren Inhalt entluden, die Insassen mit gefälschtem Kaffeeduft in zweifelhafte Räumlichkeiten lockten, deren Türen nur durch Betätigung mit Hilfe einer Kreditkarte wieder entriegelt werden konnten. So sagt man. Ob es stimmt, weiss ich natürlich nicht.

Ein Stückchen weiter stand dann mein besagter Reisebus in Begleitung fünf anderer quer über dem Radweg und halb auf der Strasse und eine Flut, wahrscheinlich wegen des Gedränges , verwirrt dreinschauender Kurzzeitpassanten ergoss sich ins Umland. Jene hatten wohl alle relevanten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt an diesem Tage schon besichtigt. Wo sie nun gelandet waren, kann nur das einzige gewesen sein, was zum Glück noch fehlte: eine - wenn auch sehr alte und sehr schöne - Molkerei. Mit anderen Worten: ein Milch- und Käseladen. Wer jetzt eine grössere Pointe erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen. Ich war einfach zu verblüfft. Es gibt doch sicher einfachere Wege, während einer Kaffeefahrt an Milch für seinen Kaffee zu kommen, oder?

Und wer gezählt hat, wie häufig ein Doppel-”s” vorkommt, wird im nächsten Artikel namentlich erwähnt.

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Stereo-Typen

21. Februar 2007

Wenn man sich als Schallplattenallein-, bzw. zuzweitunterhalter verdingt und dann noch interessant oder zumindest bekannt genug ist, um sagen wir mal 20 und mehr “Partypeople” anzuziehen, kann man sich einer Sache ganz sicher sein: Unter jenen 20 Menschen befinden sich unter Garantie genau die drei folgenden Typen.

Der Spiel-mal-was-anderes-Brüller ist ein notorischer Nörgler, im besten Fall an seinem Ulli Stein “Dagegen”-Shirt zu erkennen. Den ganzen Abend rennt er jeweils mit seiner neuen Flasche misstrauisch am DJ-Pult vorbei und artikuliert ab einem gewissen Alkoholpegel seinen stereotypen Satz halbfrontal in Richtung des ausführenden Organs. Wenn dieses - namentlich der DJ - geistesgegenwärtig genug und vor allem auch willens ist, dem Protagonisten Einhalt zu gebieten und ein “Was denn?” entgegenzuschleudern, wird er lediglich ein “Was weiss ich! Was anderes halt!” ernten. Dieses Spiel kann an einem Abend über etliche Runden gehen, wobei die Antworten auch mal variiren können. Etwa “Was cooles!” oder (bei brodelndem Saal) “Was zum Tanzen!”

Der Genau-auf-die-Hand-Schauer ist da eher passiv und meist männlicher Natur. Stundenlang steht er neben oder - wenn der Platz es nicht anders hergibt - vor dem Pult. Akribisch wird jede Bewegung observiert und verinnerlicht. Es ist auch nicht eindeutig zu ersehen, ob er an der Technik, den Platten oder gar dem DJ interessiert ist. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Vielleicht möchte er sich auch nur in der Aura eines Stars sonnen oder hofft, falls er lange genug da stehen bleibt, dass er als dem DJ zugehörig eingestuft umsonst beköstigt wird. Trotz ihrer Art und Weise macht die Grundform des Genau-auf-die-Hand-Schauers keinen richtigen Plattenjongleur nervös. Seine Steigerungsform jedoch kann es: Der Über-die-Schulter-den-Titel-Erfrager. Wenn Schauer mutiger werden, dauert es meist nicht lange und sie geben ihre Meinung zu jedem zweiten gespielten Track ab und fragen danach, worum es sich eigentlich handelt. Die Unterhaltung hat ihren Höhepunkt meist während des Mixvorganges. Dabei kommt es häufig vor, dass dem Plattenonkel direkt über die Schulter geschaut und versucht wird, bei farbigem Licht die kleine Schrift auf einer sich drehenden Schallplatte zu lesen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, ja erwiesen, dass sie sich in der nächsten Stufe vom Pult lösen und in ihrer Mission permanent zwischen Tanzfläche hin- und herpendeln.

Der Du-legst-noch-mit-Platten-auf-Stauner ist ein recht umgänglicher Zeitgenosse. Dennoch kann sich das - häufig - Kleinstadtkind seiner Frage nicht erwehren. Leider ist man aus Zeitgründen und Verblüffung nie wirklich mit einer guten Antwort gewappnet. Gut wären zum Beispiel:

1. Ja, aber nur noch eine halbe Stunde, danach packen wir dann die Kassetten aus.

2. Das ist nur eine holographische Illussion des Bordcomputers. Computer!? Mixen!

3. Ich wollte die erstmal aufbrauchen, bevor ich mir was Neues kaufe.

4. Leider bin ich extrem kurzsichtig und kann CDs kaum erkennen.

5. Ich mach hier nur die Crêpes. Frag mal an der Bar nach.

Es gibt natürlich noch alle möglichen anderen Typen: Die Nachdem-alle-nach-Hause-gehen-noch-allein-barfuss-Ausdruckstänzerin etwa, oder der In-der-Ecke-Steher-und-alles-schon-gesehen-Haber. Aber diese sind glücklicherweise etwas seltener anzutreffen.

Für den Fall, dass noch einer eine gute Antwort parat haben sollte: Ich ruf nochmal Mails ab, nachdem ich meine Plattentaschen gepackt habe.

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Vom Löwenzahn zum Ladykracher

8. November 2005

Nach langer Rangelei hat Peter Lustig nun endlich einen Nachmieter für seinen Bauwagen gefunden. Dort soll demnächst, nämlich ab Herbst 2006, der Guido Hammesfahr einziehen - der Jungsche aus Ladykracher. Und mit ihm ein Berner Sennenhund. Das scheint mir allerdings etwas inkonsequent, denn der Wohnraum ist knapp und die Quote spärlich. So hört man zumindest allerorten jammern.

Die Programmmacher des ZDF hätten sich also für den neuen neugierigen Aussteiger schon etwas spektakuläreres einfallen lassen können. Man muss ja sich ja nicht gleich wie bei Big Brother zum Affen machen. Obwohl? Im tschechischen TV werden seit gestern 15 Kameras auf vier Gorillas gerichtet und der beliebteste kann zum Schluss immerhin zwölf Melonen gewinnen.

Wenn man also schon einen Bauwagen hat, warum bestückt man ihn dann nicht mit 12 Kameras, fünf Punks und zehn Schäferhunden? In der gesamten ersten Staffel werden in jeder Folge wechselnde Brauereien besucht und die Geheimnisse der Bierherstellung untersucht. Als Rahmenhandlung kann eine der BB-Schlunzen als Lagermatratze zu Besuch kommen. Natürlich ausgestattet mit der “Verliebt in Berlin”-Kollektion. Darob erhebt sich Rangelei. Last Man Standing erhält von Richter Holt 12 Millionen auf’s Konto zugesprochen, während das kleine Nachbarskind bemerkt, dass es auch Bausparer werden möchte, wenn es denn mal gross ist. Der Rest der Gang tingelt mit seinem Bauwagen (in dem sich auch ein kleines Tonstudio befindet) von Talkshow zu Talkshow, wo sie verzweifelt versuchen, sich an die Namen der BB-Tusse zu erinnern. Welt der Wunder erklärt danach in einer Sondersendung, warum das nicht möglich ist.

Fernsehen kann so einfach sein, wenn man weiss, wo es abzuschalten geht.

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Alien TV

12. Oktober 2005

Ich mache mir Sorgen, ernsthafte Sorgen. Nicht über so banale Dinge wie das Ozonloch oder den Weltfrieden. Durch so etwas lässt man sich als braver Erdenbürger doch nicht in seiner Lebensqualität einschränken. Nein, was mir wirklich zu schaffen macht, ist, dass Ausserirdischen statt einer dafür bestimmten NASA-Sonde ein Teil unseres Fernsehprogramms in die Tentakel fallen könnte. Unkommentiert natürlich.

Das sorgt mich nicht nur, es wäre mir sogar etwas peinlich. So wie es einem peinlich ist, wenn in “Nur die Liebe zählt” jemand seiner Angebeteten ein selbst gesungenes Ständchen bringt (für mich immer ein guter Grund für sie, abzulehnen). Oder wenn Stefan Raab Ossis imitiert - in schlechtem sächsisch. (”Nur die Liebe zählt” kenne ich übrigens ausschliesslich von “TV Total“.) Wenn im neuesten Hollywood-Streifen der Böse immer noch mit russischem Akzent spricht und im neuesten Bollywood-Streifen immer noch anstandshalber vor dem Kuss ausgeblendet wird. Wenn in Talkshows zahnlose Menschen mit zahnlosen Argumenten sich verbal dennoch ineinander verbeissen. Man hat nichts damit zu schaffen und trotzdem schämt man sich ein wenig für diejenigen, die es verbrochen haben.

Nun muss man sich vorstellen, dass die geballte Macht der laufenden Bilder ungebremst auf die licht- und lautempfindlichen Rezeptoren so eines armen ungeschützten Aliens trifft. Wir sind es gewohnt und dagegen abgestumpft. Aber was soll so ein kleines grünes Wesen aus den erhaltenen Informationen lernen? Wie eine erfolgreiche Invasion planen? Chaos und Wahnsinn breiten sich aus. Verzweiflung folgt. Am Ende steht vielleicht sogar die Auslöschung einer ganzen Zivilisation!

Man wäre mir das peinlich…