Archiv für die Kategorie ‘menschliches’

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FASS

2. April 2007

Was einem manchmal doch für skurile Ideen in den Sinn kommen… Ganz abgesehen davon, dass ich scheinbar, obwohl dieser Spezies selbst angehörend, eine gewisse Abneigung gegen das weibliche Geschlecht zu verspüren meine. So hätten die Anhänger der Emanzipation schwer zu knabbern an der neuen Kreation meines faszinierenden Einfallsreichtumes.

Wir reden hier im übrigen vom F.A.S.S. Zu deutsch: dem “Fahrer Anti Stör System”.
Diese sensationelle Eingebung erhielt ich aus höheren Sphären während ich mitbekam, wie im Automobil vor mir ein Mann (Fahrer) von seiner Frau (Beifahrer), welche mit verzerrtem Gesicht neben ihm saß, durch wildes gestikulieren vom Fahren abgelenkt und in eine Diskussion geleitet wurde, welche garantiert, bei Nicht-mit-mischung des werten Ehegatten zur Beendigung des Zusammenlebens geführt hätte - wobei, muss man sich fragen, das nicht eventuell sogar erstrebenswert gewesen wäre.

Es müsse eine Möglichkeit geben, so dachte ich mir, die Nerven dieses armen Mannes, sowie die Sicherheit der Autofahrer um ihn herum zu schützen, und stellte mir in Gedanken eine ausfahrbare, schallisolierte, dünne Wand vor, die auf Knopfdruck zwischen Fahrer und Beifahrer hochgezogen wird, und so dafür sorge tragen könnte, dass der Fahrer sich zur Abwechselung tatsächlich mal auf den Verkehr (nein, nicht den ehelichen, sondern den Straßenverkehr) konzentrieren könnte.

Leidergottes, so ließ ich mir erklären, sei das ganze technisch nicht so einfach zu realisieren… also sollte man wohl doch besser, sollten einem die eigenen Nerven im Verkehr etwas wert sein, den Baseballschläger unter dem Fahrersitz behalten oder doch mit dem Bus fahren. Dort hat man zwar auch nervige Sitzgenossen, zumindest jedoch liegt man mit denen nicht auch abends im Bett.

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Käsefahrt

6. März 2007

Und da waren sie wieder. Nein, nicht meine drei Probleme. Die sind ja permanent. Ich meine diese unvermittelt aus einer belanglosen Nebenstrasse schiessenden Reisebusse, die Scharen älterer Mann- und Frauschaften durch aller Herren Länder katapultieren, um ihnen dort skurile Konsumgüter schmackhaft zu machen, die sie im Laden um die Ecke nicht mal mit einem Hühnerauge ansehen, gleichwohl dort aber viel kostengünstiger erhalten würden. Aber das sollen sie ruhig auch machen. Schliesslich - so sagt es die Legende - bekommt man auch noch einen handlichen Flüssigkeitsbehälter koffeinhaltiges Heissgetränk umsonst.

Eingedenk dessen und in froher Erwartung der Dinge, die mich im Laufe des Tages noch so beschäftigen sollten, marschierte ich an einem gesprühten Schriftzug vorüber, dessen Inhalt mir unmissverständlich vermittelte: “Kauft um euer Leben!”. Sehr passend, denn man hat ja auch schon von Reisebussen gehört, die in tiefster österreichischer Pampa ihren Inhalt entluden, die Insassen mit gefälschtem Kaffeeduft in zweifelhafte Räumlichkeiten lockten, deren Türen nur durch Betätigung mit Hilfe einer Kreditkarte wieder entriegelt werden konnten. So sagt man. Ob es stimmt, weiss ich natürlich nicht.

Ein Stückchen weiter stand dann mein besagter Reisebus in Begleitung fünf anderer quer über dem Radweg und halb auf der Strasse und eine Flut, wahrscheinlich wegen des Gedränges , verwirrt dreinschauender Kurzzeitpassanten ergoss sich ins Umland. Jene hatten wohl alle relevanten historischen Sehenswürdigkeiten der Stadt an diesem Tage schon besichtigt. Wo sie nun gelandet waren, kann nur das einzige gewesen sein, was zum Glück noch fehlte: eine - wenn auch sehr alte und sehr schöne - Molkerei. Mit anderen Worten: ein Milch- und Käseladen. Wer jetzt eine grössere Pointe erwartet hat, den muss ich leider enttäuschen. Ich war einfach zu verblüfft. Es gibt doch sicher einfachere Wege, während einer Kaffeefahrt an Milch für seinen Kaffee zu kommen, oder?

Und wer gezählt hat, wie häufig ein Doppel-”s” vorkommt, wird im nächsten Artikel namentlich erwähnt.

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Spieletipps

27. Februar 2007

Ein Satz, bei dessen Klang alle Alarmglocken in mir zu läuten anfangen, ist: “Nächste Woche sind wir zum Spieleabend eingeladen.” Es ist nun bei weitem nicht so, dass zu unserem Bekanntenkreis nur unangenehme Personen zu zählen wären. Weiterhin liegt es mir fern, Gesellschaftsspiele als solches unter allen Umständen abzulehnen - aus dem Alter bin ich wieder raus - aber eine Kombination von beidem ist immer eine heikle Angelegenheit. Daher bin ich bestrebt einige Spielregeln zur präventiven Schadenseindämmung durchzusetzen.

1. Der Ort der Handlung (ja, es geht wieder einmal mit Aufzählungen los): Man sollte immer darauf achten, dass keiner der Teilnehmer einen Heimvor-, bzw. -nachteil auf seiner Seite hat. Auf diese Art und Weise vermeidet man peinliche Situationen wie gezinkte Karten unter der Glastischplatte, den geübten Blick auf die spiegelnde Fläche des ausgeschaltenen Fernsehers und damit in die Karten des Gegners oder ein ständiges Aufspringen zu nachfüllen oder -schenken. In Privatwohnungen sind meist auch die Fluchtwege weniger gut ausgezeichnet, sollte es die Spielsituation doch einmal dringend erfordern, hastig die Räumlichkeiten zu wechseln. Also immer schön auf neutralen Grund und Boden in der Kneipe treffen.

2. Die Spiele des Anstosses: Entgegen des allgemeinen Trendes muss ein gelungener Spieleabend nicht unbedingt auf einer Party Poker basieren. Schon gar nicht auf Texas Hold’em - auch wenn scheinbar in jeden biederen Haushalt seit kurzem ein Kofferset mit Karten und Chips gehört. Das macht man dann doch besser mit ein paar weniger guten Freunden, auf die man, nachdem man nach allen Regeln der Kunst um Bares erleichtert hat, notfalls auch mal verzichten kann.

Es sollten auch keine Spiele sein, deren Erlernung länger dauert, als das Match an sich. Am besten wendet man sich wohl bekannten Spielen zu, die zusammengeschweisste, sich in- und auswendig kennende und sich meist sowieso nur sich selbst zuwendende Partnerschaften auseinanderreisst und gegeneinander aufwiegelt. Dann macht Spielen Spass. Und womit sollte das besser gehen als mit irgendeiner Variante, die den Kampf der Geschlechter mit einbezieht. Und damit sind wir schon bei

3., den Teilnehmern: Diese bestehen zu 95 % aus Pärchen und dies ist ausnahmsweise mal gut so. Denn so kann man ohne überhängenden Rest problemlos Mannschaften bilden. Ausserdem lassen sich diese gut gegeneinander ausspielen - sollten die Geschlechter partout nicht trennungsbereit sein. Unter Umständen ist es nach dem Ende des Abends jedoch eh so weit. Schon interessant, was da so alles aufbricht. Beim hilflosen Versuch Begriffe zu übermitteln wird plötzlich festgestellt, dass man sich noch nie wirklich verstanden hat. Die Lieblingsfarbe der reservierten Figuren ist gar keine gewesen. Da wird mangelnder Ehrgeiz - nicht nur beim angestrebten Gewinn - vorgeworfen und der Partner macht sich des Schummelns, bzw. Nicht-Schummelns schuldig - je nach Situation.

Nun sind die Würfel gefallen, der Trumpf ausgespielt und der Zeitpunkt gekommen, wo man sich (da man ja nicht irgendwo privat ist!) diskret an einen anderen Tisch setzt und noch ein Bier bestellt. Wer mag, legt ganz in Ruhe ein Solitair - ja, das geht auch ohne Windows hochzufahren - und begibt sich danach in Ruhe und gesittet nach Hause, während am Nachbartisch noch heftig diskutiert wird.

Das nenne ich mal einen gelungenen und lustigen “Spieleabend”; und der nächste lässt unter Garantie auf sich warten!

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Stereo-Typen

21. Februar 2007

Wenn man sich als Schallplattenallein-, bzw. zuzweitunterhalter verdingt und dann noch interessant oder zumindest bekannt genug ist, um sagen wir mal 20 und mehr “Partypeople” anzuziehen, kann man sich einer Sache ganz sicher sein: Unter jenen 20 Menschen befinden sich unter Garantie genau die drei folgenden Typen.

Der Spiel-mal-was-anderes-Brüller ist ein notorischer Nörgler, im besten Fall an seinem Ulli Stein “Dagegen”-Shirt zu erkennen. Den ganzen Abend rennt er jeweils mit seiner neuen Flasche misstrauisch am DJ-Pult vorbei und artikuliert ab einem gewissen Alkoholpegel seinen stereotypen Satz halbfrontal in Richtung des ausführenden Organs. Wenn dieses - namentlich der DJ - geistesgegenwärtig genug und vor allem auch willens ist, dem Protagonisten Einhalt zu gebieten und ein “Was denn?” entgegenzuschleudern, wird er lediglich ein “Was weiss ich! Was anderes halt!” ernten. Dieses Spiel kann an einem Abend über etliche Runden gehen, wobei die Antworten auch mal variiren können. Etwa “Was cooles!” oder (bei brodelndem Saal) “Was zum Tanzen!”

Der Genau-auf-die-Hand-Schauer ist da eher passiv und meist männlicher Natur. Stundenlang steht er neben oder - wenn der Platz es nicht anders hergibt - vor dem Pult. Akribisch wird jede Bewegung observiert und verinnerlicht. Es ist auch nicht eindeutig zu ersehen, ob er an der Technik, den Platten oder gar dem DJ interessiert ist. Wahrscheinlich eine Mischung aus allem. Vielleicht möchte er sich auch nur in der Aura eines Stars sonnen oder hofft, falls er lange genug da stehen bleibt, dass er als dem DJ zugehörig eingestuft umsonst beköstigt wird. Trotz ihrer Art und Weise macht die Grundform des Genau-auf-die-Hand-Schauers keinen richtigen Plattenjongleur nervös. Seine Steigerungsform jedoch kann es: Der Über-die-Schulter-den-Titel-Erfrager. Wenn Schauer mutiger werden, dauert es meist nicht lange und sie geben ihre Meinung zu jedem zweiten gespielten Track ab und fragen danach, worum es sich eigentlich handelt. Die Unterhaltung hat ihren Höhepunkt meist während des Mixvorganges. Dabei kommt es häufig vor, dass dem Plattenonkel direkt über die Schulter geschaut und versucht wird, bei farbigem Licht die kleine Schrift auf einer sich drehenden Schallplatte zu lesen. Es gilt als sehr wahrscheinlich, ja erwiesen, dass sie sich in der nächsten Stufe vom Pult lösen und in ihrer Mission permanent zwischen Tanzfläche hin- und herpendeln.

Der Du-legst-noch-mit-Platten-auf-Stauner ist ein recht umgänglicher Zeitgenosse. Dennoch kann sich das - häufig - Kleinstadtkind seiner Frage nicht erwehren. Leider ist man aus Zeitgründen und Verblüffung nie wirklich mit einer guten Antwort gewappnet. Gut wären zum Beispiel:

1. Ja, aber nur noch eine halbe Stunde, danach packen wir dann die Kassetten aus.

2. Das ist nur eine holographische Illussion des Bordcomputers. Computer!? Mixen!

3. Ich wollte die erstmal aufbrauchen, bevor ich mir was Neues kaufe.

4. Leider bin ich extrem kurzsichtig und kann CDs kaum erkennen.

5. Ich mach hier nur die Crêpes. Frag mal an der Bar nach.

Es gibt natürlich noch alle möglichen anderen Typen: Die Nachdem-alle-nach-Hause-gehen-noch-allein-barfuss-Ausdruckstänzerin etwa, oder der In-der-Ecke-Steher-und-alles-schon-gesehen-Haber. Aber diese sind glücklicherweise etwas seltener anzutreffen.

Für den Fall, dass noch einer eine gute Antwort parat haben sollte: Ich ruf nochmal Mails ab, nachdem ich meine Plattentaschen gepackt habe.

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Fragen über Fragen

16. Februar 2007

Fragen sind wichtiger als Antworten. Solange noch Fragen übrig sind, können wir sicher sein, dass das Leben noch ein Stückchen weitergeht. Was bliebe uns denn, wenn alle Fragen beantwortet wären? Die blanke Langeweile! Und das ist noch schlimmer, als 32 Jahre in einer Rettungskapsel im planetennahen Orbit über Tatooine kreisen zu müssen.

So sieht es zumindest ein Teil der Philosophie, dem ich nicht abgeneigt bin. Allerdings mache ich mir nicht die geringsten Sorgen darüber, dass dieser Tag bald gekommen sein wird. Neben allem Neuen gibt es nämlich noch genügend Altlasten, die uns, wenn nicht überfordern, doch zumindest noch eine Weile beschäftigen werden.

Die Mutter aller dieser Fragen ist unschwer zu identifizieren: “Darf ich Ihnen mal eine Frage stellen?” Neben allen - vor allem nonverbalen - bis jetzt getätigten ausweichenden  Antwortmöglichkeiten, bleibt an der für mich einzig richtigen Entgegnung “Nein! Hau ab!” leider immer der schale Beigeschmack eines Paradoxons hängen. Das wird vermutlich auch so bleiben.

Dann gibt es noch Fragen, deren letzte Klärung immer von Unsicherheitsfaktoren torpediert  wird. Wenn diese etwa wissentlich falsch beantwortet werden. Dazu zählt zum Beispiel der männliche Wunsch, das Alter einer Frau in mittleren Jahren erfahren zu wollen. Natürlich weiss jeder Gentlemen, dass laut Knigge derartige Erkundigungen unschicklich sind. Das wird jedoch von vielen Mitgliedern des weiblichen Geschlechtes gleich zum Anlass genommen, aufkommenden Wissbegierden gezielte Desinformation entgegen zu setzen, die unter Umständen sogar in einer Heirat münden können. Im schlimmsten Falle wird man vorher sogar noch zum Raten gezwungen.

Neben anderen Neugieren, die bis jetzt noch nicht restlos befriedigt wurden - etwa ob der Mond tatsächlich aus Weichkäse besteht, welches Zeitsystem für DVB Fahrpläne gilt oder warum ich Marmeladenbrote von der Tischkante schubsen soll um festzustellen, auf welcher Seite sie landen, wo ich doch gar keine Marmelade mag - habe ich mir bei den Nachbarskindern eine Methode abgesehen, die uns dereinst vielleicht mal den metaphysischen Hals retten wird: Sollten wir irgendwann mal an die Grenze unseres natürlichen Fragenkataloges gekommen sein, empfehle ich, an jede beantwortete Frage einfach ein “Warum?” zu hängen. So einfach ist das.

Ich hatte hier übrigens noch irgendwo eine Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens auf einem PostIt. . . hmm . . . muss ich wohl verlegt haben.