Archiv für die Kategorie ‘stylisches’

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One step forward…

30. März 2006

Immer, wenn man denkt, dass Ende der Fahnenstange sei erreicht, kommt irgendwoher etwas Neues daher. Das gilt für den privaten Bereich ebenso wie für die kulturhistorische Entwicklung der menschlichen Spezies. Was eben noch als Innovation des Jahres bestaunt wurde, ist schon längst wieder kalter Kaffee. Apropos… Sekunde - Danke.

Warum habe ich bei all dieser Fülle umgesetzter Ideen trotzdem das Gefühl, dass es seit der Umbenennung von Raiders in Twix nicht mehr merklich vorwärts geht? Unabhängig von Rentendebatte, den weltmeisterlichen Chancen unseres Fussballs und immer engere Kreise ziehenden Retro-Charts offenbart vielleicht eher ein Blick auf erfindungsreiche heimische Details näheres.

Deutschland geht am Stock, bzw. an Stöcken. Früh zieht sie immer noch gemächlich dahin, die Karawane der Tapferen - die Hausfrauen die sich mit einem guten Gefühl an ihr Rentnerdasein gewöhnen sollen. Interessant ist, dass nach etwa 20 Metern die nervenden Stöcke nurmehr unter die Arme geklemmt oder hinter sich her gezogen werden. Aber auch dies stärkt die Armmuskulatur. Wie dem auch sei: Nach den undurchsichtigen und dadurch äusserst durchdacht wirkenden Trimm-Dich-Geräten der Teleshops eine der genialsten Erfindungen seit Jahren auf dem Fitnessmarkt. Wenn auch nur unter marketingtechnischen Gesichtspunkten. Holt euch das Stöckchen!

Für alle, die sich dafür noch für zu hipp halten, gibt es Springseile mit automatischem Zählwerk. Daran erkennt man, wie schnell der Markt im Enstfall reagieren kann: Alle, die glauben, dass M. Ali’s Figur hauptsächlich auf Seilhüpfen zurückzuführen ist, steuern mit diesem Gerät aus dem Blindflug. Da in diesem Hochleistungssport bis dato die Hände gebunden sind und somit keinerlei Finger als Zählhilfe zur Verfügung stehen (die eh nur recht kleine Trainingseinheiten zulassen würden) können jetzt Kalorienverbrauch und Muskelzuwachs endlich auf eine wissenschaftliche Grundlage gestellt werden.

Und wer von alledem die Nase gestrichen voll hat, kann sich immer noch für 50 Euro eine Nasendusche holen.

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Watch in - Watch out!

17. Oktober 2005

Erinnert sich noch einer an die Helden des Schulhofes, die eine dieser verdammt teuren, aber dennoch so coolen Multifunktions-Armbanduhren trugen. Davon mal abgesehen, dass sie meist auch alles andere hatten, was einen 10jährigen über seine Altersgenossen erhebt: Diese James Bond-Uhren waren der Coolheits-Indikator schlechthin. Es gab allerdings eine sehr genaue Abstufung, mit der sich eine Hierarchie festlegen liess:

1. Die Grösse. Vorläufiger Gewinner war schon mal derjenige, dessen Handgelenk von einem Kirchturm-Uhrwerk - welches man normalerweise in einer mittleren Dorfkirche findet - verdeckt und in die Länge gezogen wurde. Am Ende der Sommerferien sollte ein Pulswärmer-breiter Streifen weisser Haut zeigen, dass man in Ungarn beides bekommt: Sonne und solche Zeitmesser. (Der Streifen befand sich auch bei rechtshändigen mega angesagten Kids vorzugsweise links)

2. Anzahl der Funktionen: Kurz gesagt - je mehr, desto besser. Deshalb wurde ein Wechselarmband als Sonderfunktion mitgezählt. Aber schauen wir uns die wichtigsten mal an:

3. Stoppuhr: Die Anzahl der angezeigten Kommastellen ist entscheidend. Und das, obwohl niemand im hunderttausendstel Bereich einen der kleinen Knöpfe zuverlässig bedienen kann und die Formel 1 überdem inzwischen bessere Messmethoden als das Stoppen mit Hand entwickelt hat. Trotzdem ergaben sich daraus so beliebte neue Sportarten wie, “Ich kann so genau drücken, dass alle Kommastellen auf 0 zeigen”. Damit hielt man sich während des Unterrichts wach und beschäftigt.

4. Blutdruckmesser: Genau so sinnvoll wie die Stoppuhr, denn im Sportunterricht waren Uhren und Schmuck sowieso nicht erlaubt. Selbst wenn, hätte niemand zu sagen gewusst, was die Werte eigentlich bedeuten.

5. Tauchtiefe: Bis 30 Meter wasserdicht ist normal - Helden tragen Uhren ab 120 Meter auf- bzw. abwärts. Diese funktionieren meist nicht in Waschbecken, wo man schon einmal den Ernstfall testen wollte.

6. Zeitzonen: Ein wichtiges Feature, damit man beim Laufen über den Meeresgrund schon einmal feststellen kann, welche Uhrzeit an der Stelle herrscht, an der man wieder an Land kommt . . .

7. Taschenrechner: Damit man ausrechnen kann, wie spät es demnach zu Hause wäre. Bedienbar übrigens nur mit der Spitze eines Bleistiftes.

Ich hatte eine, die auf Knopfdruck die Zeit ansagte.